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Es kommt, wie es kommen muss: Nach dem Feuerwerk wird immer aufgeräumt. Die übervollen Aschenbecher und halbleer getrunkenen Bierflaschen der letzten Nacht werden auch gleich mit weggefegt. Was bleibt sind die verklebten Konfettireste auf dem Boden und der neunschwänzige Kater am Tag danach. Ein Zustand zwischen der Euphorie der letzten Nacht und der Erkenntnis, dass mit Ende 20 nichts so ist, wie man sich das mit 15 vorgestellt hat. Das mittlerweile grau schimmernde „Get Up Kids“-T-Shirt ist auch zu eng geworden, die Highlights im Job sind der „Casual Friday“ und der geleaste Firmensmart. Zu Grabe getragene Jugendträume, die auf dem Sherpapfad des Arbeitsalltages abgestürzt sind.
Jetzt aufgeben gildet aber nicht. Auf dem Vorteil, den man hat, wenn der eigene Erfahrungshorizont weiter reicht als bis zum flachen Tellerrand der Pubertät, errichtet die GORILLADISCO auf dem Wissen der eigenen jugendlichen Sturm und Klang-Phase ihr ganz eigenes Basislager, um zum Gipfelsturm aufzubrechen. Dabei gewinnen sie durch die Erfahrungen aus etlichen Vorgängerbands, hunderten gespielten Konzerten und euphorischen Nächten auf durchgelegenen JUZE-Matratzen ebenso wie aus der dadurch entstandenen Haltung, die bei dieser Band aus jeder Schweißpore tropft. Gepaart mit der nach wie vor in das Gebirgsmassiv gehauenen Erkenntnis, dass ein guter Song noch immer Leben retten kann. Und sei es nur das eigene.
Aus einem Dropbox-Spaß wurde dann schnell Ernst. Und dieser Ernst ist mittlerweile nicht nur vierköpfig und auch schon über ein Jahr alt, sondern hat schon eine eigene EP draußen: Die nennt sich „ELF“. Und anhand des Titelsongs „ELF“ lässt sich das ganzheitliche Koordinatensystem der GORILLADISCO auch herausragend erklären: Limonaden-Pop-Melodien kombiniert mit foofighteresker Biffy Clyro-Stadiontauglichkeit und der unterschwellig immer wieder aufblitzenden Emocore-Sozialisation der Herren. Ein Sänger, der wahlweise pendelt zwischen in Zucker gegossenen „Uhs“ und „Ahs“ und der wütenden Stimme einer Generation Praktikum. Das alles hat viel Hirn, noch mehr Herz und immer auch ein zuckendes Bein auf dem Tanzflur. Und das eigentliche Liebeslied „ELF“ ist viel zu clever, um sich nicht darüber hinaus auch beherzt am reichhaltigen Zitatbuffet der Popkultur zu bedienen (BVB! Spinal Tap!!).
Die GORILLADISCO hebt sich damit sehr (sehr!!!) wohltuend aus der textlichen wie musikalischen Bratwurstigkeit der FridaRevolverMondSilberGold-Flachbrüstigkeit ab. Und weil man die DIY-Flagge hochhält, wird alles selbst gemacht. Und das mit so einer geballten Ladung Cleverness und Herzblut, dass man die GORILLADISCO einfach schon fürs Geil-Sein lieben muss. Da wird einfach für den Videodreh zu „ELF“ die Handlung von King Kong nach Dortmund verlegt. Nicht nur das: In dreimonatiger, blutender Heimarbeit entstand aus hunderten von Kartons ein über 100qm großes Dortmund, das als Drehort für das Video genutzt wurde. Noch bevor das Video überhaupt zu sehen war, berichteten schon große Blogs (Drlima, boredpanda), Zeitungen (WAZ, Ruhrnachrichten) und auch das Fernsehen (WDR, RTL) über den in Karton gemeißelten Wahnsinn.
Lasst die Affen aus dem Zoo. Unsere Welt kann dadurch nur besser werden.